Requisitoir Robert Cohen – de

Sehr geehrter Herr Vorsitzender,

auch ich möchte gerne von meinem Recht Gebrauch machen, bei Ihnen einen Vorschlag für eine gerechte Strafe einzureichen.

Hierfür habe ich folgende drei Gründe:

A. In den 27 Monaten, die ich im Zweiten Weltkrieg in Konzentrations- und Vernichtungslagern gewesen bin, habe ich persönlich feststellen können, wie unmenschlich und menschenverachtend unter anderem die Ukrainer vorgegangen sind.  Dabei habe ich auch Auschwitz-Birkenau im Blick, wo ich auch 11 Monate verbracht habe. Leider kann man sich keine Strafen ausdenken, die denjenigen, die solche Verbrechen begangen haben, gerecht werden. Der Deutlichkeit halber will ich sagen, dass bei diesen Überlegungen, was mich betrifft, keine Rede ist von Rachegefühlen, sondern von einem Gespür für Gerechtigkeit. Im Vergleich zu der Sorte von Menschen, die an den Massenvernichtungen, von denen ich hier spreche, beteiligt waren, sind wilde Tiere sogar harmlose Kuscheltiere.

B. Der zweite Grund, den ich für die Verhängung einer verdienten Strafe gegen den Angeklagten anführen möchte, ist die Tatsache, dass nicht nur ich, sondern auch so viele andere Überlebende ihre engsten Verwandten verloren haben und dadurch in ihrem weiteren Leben immer mit diesem schrecklichen Verlust leben mussten. Ich persönlich habe dies nie verarbeiten können und habe dies bis heute immer wie einen Schatten mit mir getragen.

C. Als letzten Grund möchte ich anführen, dass ich hier und in diesem Augenblick spreche im Namen meiner geliebten ermordeten Eltern und meines ermordeten Bruders, die in Sobibor umgebracht wurden und die nie die Möglichkeit gehabt haben, sich gegen Menschen wie Demjanjuk verteidigen zu können.

Das Strafmaß, das ich vorschlagen möchte, kann nur eines sein, und zwar die Höchststrafe.

Auf Ersuchen von Herrn Vieijra, der genauso wie ich, Verwandte verloren hat, Opfer der Massaker in Sobibor, teile ich Ihnen mit, dass Herr Vieijra mit dem von mir beantragten Strafmaß für Demjanjuk völlig einig ist.

Ich danke dem Gericht, dass es mir die Gelegenheit gegeben hat, mich anzuhören.